24h WM in Freistadt / Österreich - Figera Dreierteam am Start

24h

Skifahren, Langlaufen, Schlittschuhfahren oder Schlittenfahren. Dass alles kann man sich nur allzu gut zu dieser Jahreszeit und den Schneeverhältnissen vorstellen.

Doch drei Fichtelgebirgsracer hatten am Faschingswochenende ganz andere Pläne. Henning, Murat und ich bereiteten sich schon seit Monaten auf ein Event der Spitzenklasse vor. Viele Stunden im Keller und hunderte von Kilometern bei Minustemperaturen hatten wir uns in die Beinmuskulatur gefahren. Ursprünglich als Viererteam geplant, musste Volkan Akboga seine Teilnahme wegen einer Knieverletzung absagen. Und dass war das Ziel: In Freistadt / Österreich fand zum dritten Mal die Weltmeisterschaft im Mountainbiken statt. Natürlich Indoor. Das heißt: In zwei Messehallen, verbunden mit einer kleinen Zeltdurchfahrt, wurde ein 1040 Meter langer Parcours aufgebaut. Und der hatte es ganz schön in sich. Gespickt mit Rampen, kleinen Sprüngen, einer Steilauffahrt und immer wieder diese Spitzkehren um die Absperrgitter zermürbten bereits nach einigen Stunden die Körper unseres Teams.

Dabei fing es gar nicht gut an. Am Samstag 13:00 Uhr war Start. Murat, der als dritter Fahrer in Rennen geschickt wurde, hatte bereits auf seiner ersten Runde einen technischen Defekt in Form einer gerissenen Kette. Zu Fuß lief er zwar die Runde zu Ende und es konnte ein anderer Fahrer unseres Teams einspringen, die verlorene Zeit musste nun aber erst einmal wieder rein gefahren werden.

Dann schien alles glatt zu laufen. Unsere gute Form der zahllosen Trainingseinheiten schien sich auszuzahlen. Trotzdem fragten wir uns oft, wie viel Zeit doch andere Teams ins Training gesteckt haben mussten. Schon nach gut einem viertel der Zeit waren die ersten Platzierungen nicht mehr in Reichweite. Von den elf Dreierteams lagen wir nach acht Stunden Fahrzeit auf dem siebten Platz und kämpften um Sekunden mit einem anderen Team um Platz sechs.

Wie lange 24 Stunden dauern können, konnten die Mountainbiker nun an einer Zeittafel genau ablesen. Und als noch nicht einmal Halbzeit war, mussten wir uns bereits kräftig gegenseitig motivieren.

Als zur Nachtzeit dann ein weiterer Kettenriss am Fahrrad von Henning wieder Zeit kostete, gaben wir schon die Hoffnung auf, den sechsten Platz jemals zu erreichen.

Doch auch andere Fahrer hatten so ihre Probleme. Von Stürzen gezeichnete Körper, krampfverzerrte Gesichter und übermüdete Fahrer schleppten sich durch ein schlecht organisiertes Fahrerlager.

Als am Sonntag der Morgen graute, wurde langsam die Stimmung in unserem Team besser. Durch kontinuierlich gute Rundenzeiten konnten wir eine Runde herausfahren und lagen nun auf dem sechsten Platz. Gewechselt wurde bei uns immer im zwanzig Minuten Takt und so konnte ein Fahrer immer wieder frisch an den Start gehen, ohne bereits zu stark in eine Ruhephase zu kommen. Das bedeutete aber auch, dass keiner von uns in den 24 Stunden auch nur ein paar Minuten ein Auge zugetan hat.

Gegen Mittag füllte sich nun die Messehalle in Freistadt mit Zuschauern und durch die Boxen dröhnte motivierende Musik für die letzten Stunden des Rennens. Nur noch dreimal Wechseln sagten wir uns und fuhren noch mal Bestzeiten. Nach 24 Stunden stand es nun fest: Mit 411 Runden und 427 Kilometern war das Team www.figera.de auf dem sechsten Platz. Mit dieser Leistung waren wir doch sehr zufrieden. Völlig erschöpft und müde schleppten wir uns aus der Halle zu den Duschen. Da auch hier wegen der schlechten Organisation des Veranstalters kein warmes Wasser mehr zur Verfügung stand, blieb nichts anderes übrig als unsere schmutzigen, staubigen und schweißverkrusteten Körper eiskalt abzutuschen.